zu Roberto Saviano´s Buch über die Müllmafia in Calabrien, Neapel

Ich habe gerade sein Buch: "Gomorrha" Reise in das Reich der Comorra" fertig gelesen in einem einzigen Haps, der ist tatsächlich äusserst schnell. Dem seine Devise lautet ja: dass wir nur dann eine Berechtigung haben uns Menschen zu nennen, wenn wir ständig auf der Jagd nach der Wahrheit sind. Er meint entweder man versucht ein selbstbestimmtes Leben zu führen und man tut alles um das zu erreichen, oder man spielt mit bei dem Spiel die Schwächeren als Chance zu sehen um sich durch sie Macht an zu eignen. Er sagt das in folgenden Worten:

"...anstatt den anarchischen Traum von einem selbstbestimmten Leben weiter zu träumen. Ob ich nicht lieber Teil des Netzwerks meiner Zeit werden und alles auf eine Karte setzen sollte. Befehle erteilen empfangen - ein Provitgeier, ein Raubtier des Kapitals, ein Samurai des Clans. Ob ich nicht lieber das Leben als ein Schlachtfeld begreifen sollte, auf dem man nicht überleben sondern nur den Tod finden konnte, nachdem man Befehle gegeben und Kämpfe geführt hat."

 

Dann sagt er: "Ich bin geboren im Land der Camorra, wo mehr Menschen ermordet werden als irgendwo sonst in Europa, wo Geschäftemacherei und brutale Gewalt unauflöslich miteinander verbunden sind und nur das einen Wert besitzt, was Macht verspricht. Wo man stets glaubt, die letzte Schlacht hätte begonnen. Hier gibt es keinen Augenblick des Friedens, keine Verschnaufpause in einem Krieg, in dem man sich alles erobern muss, so brutal, als würde Fleisch von den Knochen gerissen. Im Land der Camorra  ist der Kampf gegen die Clans kein Klassenkampf, kein Akt der Rückeroberung von Recht und Gesetz und preisgebundenen Bürgerrechten. Dieser Kampf dient nicht der Wahrung von Ehre und Stolz, er bedeutet etwas sehr viel Essentielleresm zutiefst Körperliches. Die Operationen, mit denen die Clans ihre Macht behaupten, die Manipulationen, mit denen sie ihre Geschäfte in Gang halten, ihre Investitionsstrategien zu kennen, das bedeutet, in jeder Hinsicht verstanden zu haben, worum es heute geht, und nicht nur im Land der Camorra. Der Widerstand gegen die Clans wird zum Überlebenskampf, als könnte die eigene Existenz allein, das Essen, das man zu sich  nimmt, der Mund den man küsst, die Musik, die man hört, die Bücher, die man gelesen hat, dem Leben keinen Sinn mehr geben. Als läge der Sinn des Lebens einzig und allein im Überleben. Wissen, Verstehen und Ergründen ist daher nicht bloss eine moralische Pflicht, es ist eine Überlebensfrage. Ohne diese Selbstverpflichtung ist kein menschenwürdiges Dasein möglich."

 

Alles dazu gesagte ist meine Interpretation natürlich. Rund um Neapel werden die illegal abgeladenen Giftmülldeponin an gutgläubige Hauskäufer verkauft, die gar nicht auf die Idee kommen, dass ihre Grundstücke Berge von Giftmüll unter sich begraben haben und die werden in kurzer Zeit Krebskrank. Dann kommt die Camorra noch einmal und kauft dieses Grundstück billigst ab um dort noch mehr Giftmüll zu entladen. Die Romajungen kriegen dann den Auftrag die Mülldeponien an zu zünden, damit die um die Hälfte schrumpft und noch mehr draufgepackt werden kann. Da gibts "Giessereien im Norden enstsorgen ihre Abfälle, ohne irgendwelche Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Sie vermischen sie mit Kompost mit dem dann Hunderte von Feldern gedüngt werden."

Gerbereiabfälle konnten auch als Düngemittel verwandelt werden und wurden dann z.B. auf 4 Hektar Ackerlandan der Küste des Molise auf diese Weise mit Substanzen gedüngt, die aus Gerbereiabfällen stammen. "Die neun Tonnen Weizen, die auf diesen Feldern geerntet wurden, wiesen eine extrem hohe Chromkonzentration auf."

 

"Venetien, das eigentliche Zentrum der Giftmüllaufbereitung. Seit Jahren nehmen die Giftmülltransporte innerhalb Italiens von hier ihren Ausgang."

 

"Ich frage mich, ob ein Mensch die innere Kraft aufbringen kann, sich einer derartigen Machtmaschinerie entgegenzustemmen. Ob es möglich war, etwas zu tun, irgend etwas, um sich dem Kreislauf des Geschäftemachens zu entziehen, sich zu retten und ausser Reichweite dieser Dynamiken der Macht zu leben....Vielleicht musste man sich entscheiden entweder zu wissen und damit komprimitiert zu sein, oder nicht zu wissen und unbeschwert zu leben. Vielleicht blieb einem gar nichts anderes übrig, als zu vergessen und die Augen zu verschliessen: die amtliche Version der Sachverhalte zur Kenntnis zu nehmen, aber auch das zerstreut und es bei einem Lamento zu belassen. Ich fragte mich, ob es trotz allem möglich war ein glückliches Leben zu führen, oder ob es nicht besser wäre, sich gleich in den Kampf zu stürzen, ein Schnellfeuergewehr im Gürtel, einzusteigen ins Big Business, inswirkliche Big Business, anstatt den anarchischen Traum von einem selbstbestimmten Leben weiter zu träumen."

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