Kate Millett soll gestorben sein?

Kate Millet soll gestorben sein. Ich habe in meiner Studienzeit so viel ich weiss vier Bücher von ihr gelesen: "Sexus und Herrschaft", dann "Sita" "Going to Iran" und

"das verkaufte geschlecht: die frau zwischen gesellschaft und prostitution, mit einem vorwort von alice schwarzer"

 

Ich finde gerade keine Inhaltsangabe von dem Buch, um was ging es da nur?

Es heisst in dem Artikel von Alice Schwarzer 10. März 1981 über das Buch:

"Für Prostituierte, gegen Prostitution!

Den folgenden Text hat Alice Schwarzer 1981 veröffentlicht. Er dokumentiert die frühe Solidarität von Feministinnen mit Prostitutierten beim Kampf um ihre Rechte (Foto: Simone de Beauvoir mit Prostituierten). Der Text ist Vorwort zu Kate Millets Buch "Das verkaufte Geschlecht", das in den USA 1971 erschien. Millet: "Bei der Prostitution geht es nicht um Sex. Es geht um Macht."

Im Bereich der psychischen Auswirkung der Unterwerfung von Frauen, ihrer Verinnerlichung von Erniedrigung und ihrer Selbstverstümmlung ist die Radikalfeministin Kate Millett ohne Zweifel eine der klarsichtigsten Autorinnen. Gehetzt von theoretischer Erkenntnis und eigener Betroffenheit umkreist sie diesen Sumpf in uns. Sie schreibt im Verkauften Geschlecht: »Es wird viel Unsinn über den Masochismus der Frau erzählt. Die Männer im allgemeinen und die Psychoanalytiker im besonderen behaupten, er sei der Frau angeboren. Man kann darin eine Zwecklüge sehen, eine 'Rationalisierung', da man ja weiß, daß jede an einer Frau begangene Grausamkeit sich auf diese Weise rechtfertigen läßt ( . . . ) Wenn uns ein so selbstzerstörerisches Verhalten aufgezwungen worden ist, dann, weil unsere Gesellschaft es darauf angelegt hat, etwas in ihren Frauen zu zerstören: ihr Ich, ihre Selbstachtung, ihre Hoffnung, ihren Optimismus, ihre Phantasie, ihr Selbstvertrauen, ihren Willen. 'Masochismus' ist in einer solchen Gruppe nur der Anpassungsreflex jeder unterdrückten Gruppe, die überleben will.

Denn wenn die Mitglieder einer solchen Gruppe nicht an ihrer eigenen Unterdrückung mitarbeiten, indem sie den Haß und die Verachtung ihrer Unterdrücker gleichsam übernehmen, würde ihre Insubordination ( das ist der Ungehorsam gegenüber Vorgesetzten, heute insbesondere in der militärischen Befehlsgewalt angewendet (siehe: Befehlsverweigerung und Gehorsamsverweigerung). zutage treten, und sie/würden bestraft werden und vielleicht sterben müssen."

Darum ist der Griff nach der Menschenwürde - die allen Frauen vorenthalten wird, nicht nur, aber eben doch vor allem auch den Prostituierten! - ebenso revolutionär wie untrennbar vom Griff nach dem Geld, nach ökonomischer Autonomie oder gar Macht. Es ist nicht erst eine Erkenntnis der revolutionären Befreiungsbewegungen dieses Jahrhunderts, daß es bei der Unterdrückung von Menschen nicht nur um direkten materiellen Nutzen, sondern um Macht im weitesten Sinne geht. Erniedrigung und Ausbeutung bedingen sich gegenseitig.

Und genau darum haben zum Beispiel die Titelbilder im Stern (& Compagnon) sehr viel mit Leichtlohngruppen und Gratisarbeit von Frauen zu tun: Wen man verachtet, den kann man auch getrost ausbeuten. Uns Feministinnen ist das klar. Seit wir angetreten sind, kämpfen wir nicht nur für Brot, sondern auch für Rosen - Symbole materieller und psychischer Autonomie. Prostituierte kriegen Brot, aber keine Rosen. Wir Frauen und Männer der Konsumgesellschaft verhungern nicht mehr. Wir haben zwar noch gegen viel krasses soziales Unrecht zu kämpfen, aber nicht selten kaschiert mehr Geld nur die Entfremdung und Würdelosigkeit der Natur der zu leistenden Arbeit. Das ist bei der Prostitution nicht anders als bei den beschwichtigenden Top-Löhnen in der Werbung oder dem abwiegelnd geplanten Taschengeld für Hausfrauen. Kleiner Unterschied zwischen Männern und Frauen: Männer kassieren mehr, und wenn Frauen wirklich mal was verdienen, kassieren die Männer es meist gleich wieder ab. So in der Prostitution, wo der Löwenanteil des von Frauen verdienten Geldes in die Hände der Zuhälter, Barbesitzer und des Staates fließt! Um so erstaunlicher ist es, daß neuerdings aus frauenbewegten Kreisen Texte auftauchen, die all diese doch längst errungenen Erkenntnisse vernachlässigen und die Frauenfrage auf die Geldfrage reduzieren - und damit zurückfallen auf eine längst überwunden geglaubte platt-materialistische Ebene, die die sozialen und psychologischen Dimensionen von Abhängigkeit und Herrschaft nicht erfaßt.

Sicher, es stimmt: immerhin bekommt die Prostituierte Geld für das, was so manche Ehefrau/Freundin ebenso wider Willen, aber dennoch umsonst tut. Sicher, es stimmt: gerade Frauen können Geld nur allzugut gebrauchen. Doch was ist der Preis für die Prostitution? Und wer bekommt letztendlich dies von Frauen angeschaffte Geld? "Prostitution ist eine Art Sucht. Es ist die Sucht nach Geld." sagt J. in "Das verkaufte Geschlecht". "Alle sind wegen des Geldes Prostituierte geworden. Bei den meisten Call-Girls in Uptown handelt es sich nicht um die Wahl zwischen Leben und langsamem Hungertod, sondern zwischen 5.000 und 25.000 Dollar im Jahr, oder zwischen 10.000 und 50.000 Dollar. Das ist ein ganz hübscher Unterschied." Und darum, so J.: "Wenn ich an die Zeit der Prostitution zurückdenke, geschieht es in einem großen Zwiespalt. Es ist nicht alles negativ." Und: "Lieber wäre ich Prostituierte als verheiratete Frau, die an einen Mann gebunden ist, den sie nicht ertragen kann."

Nur - maximal jede zehnte Prostituierte ist heute eine "freie" Prostituierte, ist zumindest frei von der "privaten" Unterdrückung, hat keinen Zuhälter der abkassiert und auf ihre Kosten lebt. Die meisten Prostituierten können das Geld, das sie verdienen, nicht für sich nutzen, sie enden im Elend, so wie das durch die Profumo-Affäre einst berühmt gewordene Call-Girl Christine Keeler: sie war schon mit 36 Jahren am Ende, war Sozialhilfeempfängerin.

Der Preis, den die Prostituierte zahlt, ist ein Preis, den Frauen - in den unterschiedlichsten Varianten - auch in anderen Bereichen zahlen: die soziale Ächtung, den Selbsthaß, die Entfremdung. "Ich habe als Prostituierte bei weitem nicht so oft geweint wie als Studentin. Es gibt da einen gewissen Unterschied. Als Prostituierte war ich irgendwie nicht ich selbst", sagt J. "Ich empfand es nicht so stark. Man fühlt sich einfach nicht in dieser Weise gedemütigt. Vielleicht weil man als Prostituierte schon so tief unten ist, daß man nicht mehr sehr gedemütigt werden kann."

Kate Millett kennt auch "die anderen Arten der Prostitution", die an der Universität zum Beispiel: "Die Kriecherei vor den Departmentchefs, in den Fakultätssitzungen." Aber: "Ich weiß auch, was J. die Jahre der sexuellen Prostitution gekostet haben. Ich kann es an ihren Augen sehen, wenn das Blau der Iris tot wie Glas ist." Es kann uns Frauen heute also nicht um eine Mystifizierung der Prostitution gehen. So wenig, wie um eine Mystifizierung des Hausfrauendaseins oder der Karriere, der Mutterschaft oder der Homosexualität. Es kann uns nur um die genaue Erkenntnis gehen: was erreichen wir dabei und was verlieren wir? Jede muß dabei den Platz einnehmen, den sie einnehmen kann und will. Eine moralische Verurteilung der Wahl einer jeden Frau scheint mir ebenso falsch wie die ideologische Verschleierung des Preises, den sie dabei zahlt.

Der Kampf mit den Prostituierten muß darum für eine Radikalfeministin immer gleichzeitig der Kampf gegen die Prostitution sein! So wie der Kampf mit den Hausfrauen der gegen die Gratisarbeit von Frauen ist, oder der mit den Fließbandarbeiterinnen der gegen das Fließband. Wenn wir Frauen das Recht auf Menschenwürde fordern, dann dürfen wir nicht nur überleben, sondern wir müssen leben wollen. Leben mit erhobenen Kopfe. "Es ist weder ein romantischer noch ein frömmelnder Unsinn, wenn ich in der Prostitution ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sehe", sagt Kate Millett. Und die Verbrecher, das sind nicht wir, die sich Prostituierenden (für Geld oder für "Liebe", direkt oder indirekt). Die Verbrecher, das sind die, die es wagen zu glauben, man könne die Seele eines Menschen und seinen Körper wirklich kaufen."

Was ich interessant finde in dem Artikel, dass die Abwertung der Frau durch die Prostitution sichtbar wird. Wenn es hier heisst, der Mann geht nur deshalb zur Prostituierten um sie die Frau demtigen zu können um seinen Frauenhass ausleben zu können. Wenn der Mann es schafft in seiner Beziehung durch zu halten, wo schon mal klar ist, dass er sie um den Finger gewickelt hat mit seinem Begehren. Denn sexuelles Begehren hat nix mit Anerkennung zu tun. Die Frau die weiss, dass ihr Mann zur Prostituierten geht, wird schnell klar, dass er dort das auslebt, was er mit ihr nicht tun darf. Dadran erkennt sie seine wahre Einstellungen zur Frau, er verachtet sie zu tiefst darf das aber nie offen aussprechen.

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