Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter

Von welchem Unbehagen spricht sie hier? Also was mir einfällt. Die Unterdrückung der Frau. Sie darf keine gute Ausbildung kriegen und ist dem Mann nicht ebenbürtig. Bei ihr ist es wichtig, dass sie hübsch aussieht, dem Mann gegenüber unterwürfig ist, im Haushalt fleissig und in der Nacht die Nutte spielen kann. Dann muss sie für ihn natürlich Kinder kriegen. Diese Unterwerfung der Frau unter einen patriarchalen Mann hat verheerende Folgen. Es ist die Geschichte von einer Frau, die dem Mann gegenüber nie gleichgestellt ist, da sie von ihm abhängig ist und sich alles nach ihm richtet. Diese Frau die im Grunde zu einem Embryo wird und den Mann aussaugt bis aufs Blut, ist eine gefährliche Frau. Nicht nur, dass sie den Mann in ihrer kindlichen Art und Weise das Wasser abgräbt und ihn in Null komma nix altern lässt, sie holt sich dann ihre Energie von einem Kind, wenn die Energie des Mannes aufgebraucht wurde. Dass das katastrophale Folgen für das Kind hat, dürfte bekannt sein. Insbesondere wenn es ein Junge ist. Sie wird ihm jede Liebe geben die er sich wünscht, sie wird ihm dienen und ihn zum König erkoren, dennoch stimmt da eine Kleinigkeit nicht. Er muss sich immer mit ihr identifizieren, er darf niemals ein eigenes Ich entwickeln alles muss sie ihm geben er und sie sind eins. Es ist sowas wie eine Symbiose zwischen Sohnemann und Mutter, sie erhalten sich gegenseitig am Leben. Ein Leben lang wird der Sohn unter dieser nie abgetrennten Beziehung zu seiner Mutter leiden. Was macht er er wird im Aussen alles zerstören was lebendig ist. Dieser Hass auf alles was er, sie nicht kontrollieren können, bestimmt sein Wesen. Klaus Theweleit, Luce Irigaray, Jessica Benjamin, Volker Elis Pilgrim schreiben über nix anderes als über diese Muttersöhne, die nie abgetrennte Bindung zu seiner Mutter und seiner weltzerstörerischen Tendenzen. Dieser Hass auf alles Lebendige wäre ein typisches Kennzeichen aller Diktatoren, die ein Leben lang einer omnipotenten Mutter ausgeliefert waren und die nix anderes kennen als Grössenwahn, Machtgelüsten (als Ersatz für ein Leben, oder Kompensation) Sadismus und Grausamkeit.

Niemand kann sie stoppen, da sie diesen grenzenlosen Hass auf ihre Mütter, die sie nie zum Mann werden lässt, auf alles andere übertragen müssen, was leben will und klein ist. Also gerade kampfunfähige Gegner, die kein Interesse an der Macht haben, sind ihr Ziel um sie zu erledigen. Sie sind nämlich die typischen Spiessbürger. Nach oben hin buckeln nach unten treten. D.h. sie sind feig, hinterhältig, grausam, gemein, jederzeit zum Mord bereit, wenn sie endlich mächtig genug sind um ihre Zerstörungswünsche umsetzen zu können.

Na ja und wo bleibt denn nun das Unbehagen der Geschlechter? Der Sohnemann, der nie zum Mann geworden ist, und seiner verkümmerten sexuellen Wünsche nur noch in Sadismus gegenüber seinen Frauen (aber auch gegenüber seinen Kollegen die von ihm abhängig sind usw.) ausüben kann, ist unfähig eine Frau zu lieben und zu respektieren. Er hat ja schon von klein auf jede Liebe einer Frau intravenös empfangen um den Preis seiner selbstverleumdung. Also ist bei ihm das sexuelle Begehren das an eine Frau gerichtet ist, nicht vorhanden, weil es ihn nur sehr schmerzhaft an seine Ohnmacht gegenüber seiner sexuell überfordernder Mutter erinnert. Er hasst seine Mutter ja sein Leben lang und wer darf das dann alles ausbaden? Na eh klar die Frau, die ihm ein Kind nach dem nächsten gebären soll.

Diese Eiseskälte gegenüber seiner Frau lässt jede Frau erstarren und traumatisieren. Denn sie erkennt sehr schnell, dass ihr grossartiger Mann (der ja durch seine Machtgelüste oft in wichtigen gesellschaftliche Positionen kam) privat ein Monster ist, das sie töten will. Sie wird alles tun um sich innerlich gegen ihn ab zuschotten, oder wird die Chance ergreifen ihn wie seine eigene Mutter zu behandeln. Also entweder sie stirbt innerlich, oder sie fängt an die leergewordene Position seiner Mutter ein zu nehmen, wo sie die Macht geniesst, die sie über ihn ausüben kann.

Die schwierige Frage, wo nun das Unbehagen der Geschlechter geblieben sein soll? Ich meine sie hasst ihn sofort, weil sie seine lächerliche Persönlichkeit sofort durchschaut und nur Abscheu für ihn empfinden kann, naja wo bleibt denn da bloss die Liebe? Ach ja die hasst ihn und er hasst sie, ist doch alles paletti. Wenn die beiden bloss nicht so machtgierig wären und die ganze Welt ausrotten wollen mit ihrem Hass, den sie dann auf die Gesellschaft übertragen werden um sich gegenseitig davor zu schützen.

Ok ich stelle die Frage anders: Geschlechterdifferenz? Wenn man seine Hinterhältigkeit, Charakterlosigkeit, Autoritätsgläubigkeit und Hörigkeit, seinen Sadismus, Grausamkeit, Feigheit, Unterwürfigkeit als männlich bezeichnen will kommt man schnell mal auf die Idee, dass er sich kaum von seiner Gefährtin unterscheidet, die genau die selben Charakterzüge aufweisen muss um ihn zu überleben.

Also ich sehe da keine Geschlechterdifferenz zwischen den beiden. Beide passen zwar zusammen wie die Faust aufs Auge, doch wer von den beiden nun grausamer oder sadistischer sein mag? Gibt es eine typisch weibliche Grausamkeit, oder Sadismus? Dass sie beide ohnmächtige Leute gerne foltern lassen, auch im privaten, zeugt nur von ihrer Charakterlosigkeit, aber ich tue mir schwer, da einen Unterschied zwischen ihrem Sadismus und seinem Sadismus zu erkennen. Ich meine dass die Frauen noch mehr unterdrückt werden als die Männer in so einem patriarchalen System sicher sind da die Frauen um ein zehn faches grausamer als die Männer. Sie kennen keine Gnade mit ihren Opfern. Wenn eine Frau hasst, dann kennt sie keine Grenzen. Selbst wenn sie dabei drauf geht, hört sie mit ihren Racheplänen nicht auf. Während Männer sobald sie kapieren, dass sie dabei einen Verlust erleiden sofort aufhören, aus Opportunismus oder eher aus Feigheit entlarvt zu werden. Sie verstecken ihre Grausamkeit lieber hinter Paragraphen, Gesetzen, Regeln und Ordnungssystemen, wo man sie nicht belangen oder zur Verantwortung ziehen kann.

Na die Frage nach der Menschwerdung? Tja oder dem Begehren des Mannes  zu einer Frau? Das soll ja erst durch das "Nein" des Vaters, "das Gesetz des Vaters" laut Jaques Lacan möglich sein. Der Vater spricht sein "Nein" aus: "Nein mein Junge, du musst nun lernen, dass deine Mutter dir nicht alle Wünsche erfüllen kann, denn das tut nur eine andere Frau, die die Stelle der Mama einnehmen soll". Also alles paletti, der Junge kapiert, dass er seine sexuellen Wünsche nicht direkt ausleben kann (an seiner Mutter) fängt an sie zu komplementieren (oder nach Freud sie zu sublimieren) wird also durch diese Verneinung zum Mann. Es soll also ein Mannwerdungsritual sein, indem der Vater hier sein "nein" ausspricht.

Dann wäre ja alles bestens. Also dann gibt es nur ein Problem, dass der Vater selber ein Muttersohn ist und er dermassen mit seiner Frau verstrickt ist, sodass er selber keine Ahnung hat, was denn überhaupt ein Begehren gegenüber seiner Frau sein könnte. Das heisst er kann es auch nicht dem Sohnemann beibringen, dieses Begehren mal auf eine andere Frau zu richten. Also doch nix bestens. Immer nur Krieg soweit das Auge reicht, zwischen den Geschlechtern und dem Vater und dem Sohn und gegenüber der ganzen Welt.

Die Frage wo denn da das Unbehagen zwischen den Geschlechtern sein könnte ist also ein einziger Witz. Es gibt kein Unbehagen, es findet hier ein Krieg und zwar auf allen Ebenen statt. Insbesondere wenn ein Muttersohn dann auch noch Karriere machen will oder als Künstler arbeiten will. Da muss er dann seine Frauen entweder schön langsam ausbluten lassen oder er bringt sie noch etwas schneller um, wie Gottfried Benn es mit seinen Liebhaberinnen getan hat. Er hat ihnen sogar ihren eigenen Tod diktiert also in seinen Gedichten hat er ihren Tod beschrieben, das sie abtippen musste, und als Kunstwerk in Gedichtform sehen sollte.

Ach ich übertreibe? Ach heute werden die Frauen im Westen gar nicht mehr unterdrückt? Irgendwie stimmt das auch. Aber warum sehe ich immer nur Frauen, die in ihrer Rolle als Frau gefangen sind und die die Sexualität nur noch als Zumutung erleben? Die Frau, die ihn kontrollieren will einzig und allein um endlich ihre sexuelle Ruhe zu haben. Na komisch, da kommt die omnipotente Mutter schon wieder diesmal durch die Hintertür herein. Vielleicht weil die Aufklärung über diese patriarchalen Rollenmuster immer noch nicht in der Gesellschaft angekommen sind??

 

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