Vortrag und Diskussion von und mit Johann August Schülein mit dem Titel: Was ist aus der vaterlosen Gesellschaft geworden?Teil 3

Im letzten Beitrag spricht Herr Schülein darüber, wie Hegel diese Vaterlosigkeit beschrieben hätte, Er sagt: in der Terminologie von Hegel ist das Verschwinden des Vaters an sich die Ermöglichung des Vaters für sich. Das sei allerdings eine Option keine Garantie. Im Gegenteil, mit den Chancen würden auch die Risiken zunehmen. Und insofern hätte Mitscherlich recht, wo er in dramatischen Bildern die Gefahren einer halbierten Moderne zeichnet. Wo nur alte Strukturen abgebaut werden, aber keine Konsequenteren an die Stelle treten, würden die Risiken voll durchschlagen. Männer und Frauen die von der Fülle der Erwartungen und Ansprüchen überfordert sind und dann möglicherweise zusammen mit ihren Kindern in die Stilordnung regredieren (?). Eltern die ihre eigenen Aufstiegswünsche und Abstiegsängste ungebremst an die Kinder weitergeben, oder angesichts der Opportunitätskosten ganz auf Kinder verzichten. Damit bekommt Vaterlosigkeit und Mutterlosigkeit noch einen weit radikaleren Sinn, eine Möglichkeit die Mitscherlich noch überhaupt nicht im Blick hatte. Doch hören Sie selbst, wie Herr Schülein Mitscherlichs Thesen neu interpretiert und weiterdenkt. Di., 13.5.2014, 19.30 Uhr, IWK Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie Johann August Schülein (Wien): Was ist aus der »Vaterlosen Gesellschaft« geworden? Eine Nach-Lese von Mitscherlichs Zeitdiagnose Mitscherlichs Studie »Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft« erschien 1963 und wurde schnell zu einem der meistdiskutierten (und bestverkauften) populärwissenschaftlichen Bücher der Nachkriegszeit. Auch heute noch ist der Begriff geläufig – das Buch selber ist dagegen weitgehend unbekannt. Das ist schade, denn die spezifische Mischung von Gesellschaftsanalyse und Gesellschaftskritik ist nach wie vor lesenswert und instruktiv. Selbst wo sie historisch überholt ist, ist sie lehrreich, weil sie auf hohem Niveau die Ansprüche und Risiken psychoanalytischer Gesellschaftsdiagnosen verdeutlicht. Johann August Schülein: Professor für Soziologie an der Wirtschaftsuniversität Wien, Mitherausgeber der Reihe »Psyche und Gesellschaft« im Psychosozial-Verlag.

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Kommentare

Ich bin zufällig auf Ihre Seite geraten und möchte zu Ihrer sehr präzisen Darstellung nur anmerken, dass bei Mitscherlich von einer "Regression in die Stillordnung" die Rede ist (gemeint ist: eine Ordnung, die von Oralität und Abhängigkeit dominiert wird).. Beste Grüße

J.A.Schülein

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